Pyramiden: Wirklich alles schon geklärt?

Kommentar zu Klaus Richters Rezension des Buches
Die Giza-Mauer und der Kampf um das Vermächtnis der alten Hochkulturen von Armin Risi (mit Rico Paganini), Govinda-Verlag Januar 2005; Rezension veröffentlicht seit dem 19.3.2005 auf buchkritik.at

Antwort von Armin Risi (April 2005 / Dezember 2006):

Das Buch
Die Giza-Mauer und der Kampf um das Vermächtnis der alten Hochkulturen beschreibt und dokumentiert den Bau der 15 km langen Mauer um das Pyramiden-Gelände, von der bis ins Jahr 2005 kaum jemand etwas gehört hatte. Diese Darstellung hat historischen Wert, weil sie die erste und wahrscheinlich die einzige fotographische Dokumentation des Baus dieser Mauer (von 2002 bis 2004) ist. Viele Ägypten-Interessierte und auch Ägyptologen hörten zum ersten Mal durch meine Artikel und dann durch dieses Buch über die Existenz der Giza-Mauer.

Beim Verfassen des Buches verließ ich mich, was die Interpretation des Mauerbaus betrifft, auf Angaben, die z. T. leider unrichtig waren (siehe Artikel
Die Giza-Mauer: der aktuelle Stand), weshalb die Darstellung der angeblichen Hintergründe dieses Mauerbaus etwas zu dramatisch ausgefallen sind. In dieser Hinsicht ist die Kritik also berechtigt. Aber diese „zu dramatische“ Darstellung ändert nichts an der Richtigkeit der faktischen Darstellung des Baus und des Verlaufs der Mauer.

Der Teil über die Giza-Mauer macht nur 17 % des gesamten Inhaltes des Buches aus. Der Hauptteil des Buches ist dem Thema „das Vermächtnis der alten Hochkulturen“ gewidmet. Hier wird mit vielen Fakten, Fotos und logischen Argumenten gezeigt, daß die Aussage der alten Ägypter, die großen Megalith-Bauten seien das Werk einer früheren Hochkultur, durchaus plausibel ist und daß im Zusammenhang mit diesen Weltwunder-Bauwerken tatsächlich noch viele Fragen offen sind.

Wir wagten es also, die ägyptologische Lehrmeinung im Themenbereich der Pyramiden und der verwandten Megalith-Anlagen zu hinterfragen. Daß wir dadurch einige Kontroversen auslösen werden, war uns klar. Eine sehr vehemente Reaktion kam – bereits kurz nach dem Erscheinen des Buches – von Herrn Klaus Richter. Uns ist dieser Rezensent über seine Internet-Artikel und als Autor einiger Artikel in der Zeitschrift
Sokar – Die Welt der Pyramiden bekannt, in der er auf der Autorenseite wie folgt dargestellt wird: „Dr. Klaus Richter (Berlin): Jurist; Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Humboldt-Universität zu Berlin, Wissenschaftsjournalist.“

Die Rezension ist ein Verriß des Buches im Stil eines Rundumschlages. Klaus Richter vermag im gesamten Buch keinen einzigen guten Punkt zu finden und wirft uns vor, wir würden nur die „üblichen, längst widerlegten Spekulationen“ aufgreifen, ja sogar, wir hätten (aufgrund unserer „erschreckenden Unkenntnis“) „eigentlich keine Berechtigung, über Ägypten zu schreiben“. Auch sagt er, unser Buch diene der „Irreführung der Leser“ und wir würden „lügen“.

Da dies massive Vorwürfe sind, nehme ich zur ganzen Rezension Stellung. Eigentlich wollte ich diesen Text vollständig, Abschnitt für Abschnitt, zitieren, um auf jeden Punkt zu antworten. Aber Herr Richter hat mir – unter Androhung von rechtlichen Schritten – verboten, dies zu tun. Deshalb fasse ich nun seine Aussagen mit eigenen Worten zusammen und beschränke mich auf einige wenige wörtliche Wiedergaben im Rahmen des freien Zitierungsrechtes.

Kritikpunkt 1
Kritikpunkt 2
Kritikpunkt 3
Kritikpunkt 4
Kritikpunkt 5
Kritikpunkt 6
Kritikpunkt 7
Kritikpunkt 8
Kritikpunkt 9
Kritikpunkt 10
Kritikpunkt 11
Kritikpunkt 12
Kritikpunkt 13
Fazit

Kritikpunkt 1

Klaus Richters Rezension vom 19. März 2005 beginnt mit einer Pauschalverurteilung des Buches; es sei „einfach nur gegenstandslos“; die Autoren seien außerstande, auch nur „ansatzweise, Wissen zu vermitteln“, und sie würden mit vielen Spekulationen versuchen, Rätsel zu kreieren, wo überhaupt keine seien.

Ob es uns nicht gelungen ist, „auch nur ansatzweise Wissen zu vermitteln“, kann jeder Leser anhand des Buches selbst beurteilen. Wir vermitteln zahlreiche Fakten und langjährig recherchierte, weiterführende Informationen, die in der breiten Öffentlichkeit – einige sogar in Ägyptologiekreisen – weitgehend unbekannt sind. So dokumentieren wir z. B. die Existenz einer unterirdischen Anlage, die in keinem uns bekannten Ägyptologiebuch beschrieben wird, zumindest nicht mit Fotos. Und unser Buch enthält eine ganze Serie von einmaligen Fotos dieser Anlage! Es handelt sich um eine unterirdische Anlage in der Nähe der Unas-Pyramide von Saqqara, 15 km südlich von Giza. Ich konnte diese verschlossene Anlage bei meinem Ägyptenbesuch im Jahr 2005 persönlich besuchen und fotografieren. Ein enger Schacht (1,5 m x 1,4 m) führt 25 m senkrecht in die Tiefe, wo er in eine Vorkammer mündet. Von dort aus führt ein Gang direkt nach vorne in eine Kammer, in der sich über einem „Grab“ bzw. einer Einweihungsstätte (in dieser Kammer wurde nie eine Mumie oder ein Leichnam gefunden) ein Monolith befindet, der 4,3 m lang, 2,5 m breit und 1,25 m dick ist, Gewicht: gut 35 t. Dieser Monolith ist also größer als der Schacht und der Gang! Wie kam der Monolith in diese unterirdische Kammer?

Ob der Stein dieses 35 t schweren „Deckels“ aus der Kammer selbst stammt, war nicht ersichtlich. Der Untergrund von Saqqara besteht aus Kalkstein, aber dieser Monolith besteht aus einem dunklen Gestein. Selbst wenn die Kammer um diesen Riesenstein herum herausgemeißelt worden wäre, hätten wir immer noch ein Rätsel, denn er ist fast so groß wie die Kammer, und er reicht auf beiden Seiten bis auf wenige Zentimeter an die Wand heran. Die 4,3 m langen Seiten sind linealgerade und sehen wie maschinell geschnitten aus. Welche „Sägen“ haben die Erbauer hier verwendet? Wie konnten sie auf engstem Raum einen 35 t schweren Stein umgehen? In die Kammer passen nur wenige Menschen! Stammt der Monolith überhaupt aus der Kammer?

Von der Vorkammer gehen nach rechts und links zwei Gänge ab, die in zwei weitere Kammern führen, doch diese Kammern sind leer. Alle drei Kammern haben ein Tonnengewölbe. In der Monolith-Kammer finden sich eingestanzte Hieroglyphen-Inschriften, in den beiden anderen Kammern farbige Zeichnungen und Inschriften und vor allem – auf der gesamten runden Decke – fünzackige Sterne auf blauem Hintergrund.

Heute wird der Schachteingang durch ein gemauertes Häuschen verborgen. Die Fotos dieses Monolithen und der mit ihm verbundenen Anlage, die ich im Buch exklusiv veröffentlichen durfte, wurden vor 20 und 10 Jahren aufgenommen, als es anderen Besuchern möglich gewesen war, dort hinunterzusteigen.

Nur schon dieses eine Beispiel zeigt, daß es in der Ägyptenforschung sehr wohl noch Rätsel und offene Fragen gibt, und im Buch führe ich viele solcher Beispiele an – mit faktischen Infos (Größe, Länge, Breite, Gewichtangaben usw.), vielen Fotos und architektonischen Zeichnungen, verbunden mit den entsprechenden Hintergrundinformationen und offenen Fragen.

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Kritikpunkt 2

Dann folgt eine massive Kritik an Paganinis und Risis konspirativer Ausdeutung des Giza-Mauerbaus.


Die besagte Mauer um das Pyramiden-Gelände wurde in den Jahren 2002 bis 2004 errichtet, ohne daß es eine öffentliche Mitteilung gegeben hat. Die Mauer besteht über längere Strecken aus einer 3-4 m hohen Betonmauer mit einem aufgesetzten Gitter, das nochmals an die 3 m hoch ist. Sie ist 15 km lang und umschließt ein Gebiet von rund 12
 km², wovon der größte Teil nur Wüste ist. Hinzu kommt, daß die Mauer im Südosten in der vollen Größe kilometerlang weiter in den Süden gezogen wird.

Ich schenkte Rico Paganinis alarmierender Darstellung Glauben, vor allem weil er mir gewisse Informationen lieferte, die – wenn sie wahr gewesen wären – die erwähnten Verdachtmomente tatsächlich bestätigt hätten. Damals war ich selber noch nie in Giza gewesen. Als ich dies im Oktober 2005 nachholte, wurde mir schnell klar, daß die alarmierende Darstellung auf falschen Informationen und verzerrten Wahrnehmungen beruht hatte.

Deshalb muß ich hier den Kritikern recht geben. (Näheres dazu im Artikel
Die Giza-Mauer: der aktuelle Stand.)

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Kritikpunkt 3

Die Fragen, die die Autoren in bezug auf diesen Mauerbau stellen, seien „hanebüchen“. Der Mauerbau sei weder heimlich noch mysteriös und lasse sich auch leicht erklären, denn es sei doch normal, dass alte Stätten mit einem Mauerbau geschützt und auch bewacht würden; „… daß Polizisten und Anwohner in Giza schon mal gereizt auf die sogenannten ‚unkonventionellen Pyramidenforscher‘, die hinter jedem Stein einen Außerirdischen vermuten, reagieren, ist verständlich.“


Der Rezensent sagt hier, unsere Fragestellung sei „hanebüchen“, und verwendet sogleich auch das Wort „Außerirdische“, obwohl wir nichts dergleichen erwähnen oder implizieren. Anscheinend hofft er, daß die Leser seiner Rezension das Buch nicht mehr lesen werden und daher nicht merken, daß er hier weder ein ehrliches noch ein wissenschaftliches Stilmittel einsetzt, um die Autoren möglichst unglaubwürdig zu machen.

Was wir im Buch in diesem Zusammenhang beschreiben, ist eine faktische, irdische Begebenheit mit einer bewiesenen Verheimlichung: Als Rico Paganini mit zwei Begleitern im Jahr 2002 den Mauerbau aus der Nähe erkundete, stießen sie im Osten des Pyramiden-Geländes auf einen neu ausgehobenen Fundamentgraben, auf dessen Boden über viele Meter hinweg eine sauber gekehrte, glänzende Steinfläche zu sehen war, und zwar eine Fläche aus dem für die alten Megalith-Bauten typischen rotbraunen Rosengranit! Als sie in die Nähe dieser Baustelle kamen, wurden sie als unerwünschte Beobachter von bewaffneten Wächtern fortgescheucht, nicht nur mit dem üblichen Befehl „No photos“, sondern hier sogar mit „No looking! No looking!“. Als Rico später nochmals zur Grabenbaustelle zurückkehrte, diesmal sehr unauffällig, entdeckte er den berühmten Giza-Archäologen Mark Lehner, der im Graben kauerte und diese freigelegte Granitplattenfläche untersuchte. Dabei gelang es Rico, zwei Fotos zu machen: eins von den Granitplatten auf dem Grund des Grabens und eins von Mark Lehner, der im Graben kauert! Diese brisanten Fotos veröffentlichten wir im Buch, womit wir beweisen können, daß im Untergrund von Giza noch einiges zu entdecken ist und z. T. bereits entdeckt wurde.

Rosengranit kommt in Giza nirgendwo natürlich vor. Der nächstgelegene Granitsteinbruch befindet sich 1000 km südlich von Giza in Assuan. Die Entdeckung einer Granitplattenfläche im Untergrund von Giza ist eigentlich eine archäologische Sensation, aber es erfolgte nie eine öffentliche Meldung!

Das ist also der Vorfall, den wir im Buch beschreiben. Man lese nun nochmals, was der Rezensent daraus machte. Gleich anschließend an seinen Außerirdischen-Satz doppelt er nach: „Bereits hier zeigt sich die völlige Haltlosigkeit der Behauptungen der Autoren.“

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Kritikpunkt 4

Die Autoren hätten nicht nur keine Ahnung von den Pyramiden usw., sondern würden auch „ganz bewusst ignorieren“, dass alles, was sie schreiben, längst geklärt bzw. widerlegt sei.


Vieles ist gar nicht so „widerlegt“, wie Klaus Richter behauptet, und viele Fragen, sogar ganz offensichtliche, sind noch längst nicht befriedigend beantwortet. Das wird auch von vielen Ägyptologen zugegeben.

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Kritikpunkt 5

Die Autoren würden das Thema der Giza-Pyramiden aus dem größeren Zusammenhang herausreißen, um dann behaupten zu können, die Pyramiden des Cheops, Chephren und Mykerinos seien nicht von diesen Pharaonen der Vierten Dynastie um 2500 v. Chr. erbaut worden.


Tatsache ist, daß die besagten Megalith-Bauten allesamt inschriftenlos sind, das heißt, die Erbauer haben in ihnen keine Inschriften anbringen lassen, wie dies für alle Bauten und Grabanlagen, die eindeutig pharaonisch sind, typisch ist.

Tatsache ist auch, daß die Pyramiden und die verwandten Megalith-Anlagen mit Steinquadern gebaut wurden, die allesamt mit derart perfekten Linien zugeschnitten sind, daß sie ohne Zwischenräume, also „fugenlos“, aneinandergefügt sind; man vermag nirgendwo nicht einmal eine Messerklinge zwischen die Steine zu schieben.

Eine weitere Tatsache ist, daß Pharao Cheops rund 25 Jahre regierte (einige Quellen sagen 23 Jahre) und daß die dem Cheops zugeschriebene Pyramide aus rund 2,3 Millionen Blöcken besteht. Das Durchschnittsgewicht der Blöcke im Pyramidenkern beträgt 2,5 t, wobei die größten bis zu 15 t schwer sind. Viel schwerer waren die äußeren Verkleidungssteine, bei denen die schwersten (jene, die aus Granit bestehen) 50 bis 80 t wogen! Um heute ein Gewicht von 15 t zu bewegen, brauchen wir einen Lastwagen und erstklassige Autostraßen, denn dieses Gewicht fällt bereits in die Kategorie „Schwertransport“! Rufen wir uns in Erinnerung, was die Gewichtslimite auf Schweizer Autobahnen ist: 34 t inkl. Eigengewicht des Lastwagens, bis 40 t mit Sonderbewilli­gung, was eine Nutzlast von rund 25 t ergibt. Und die schwersten Verkleidungssteine wogen 80 t, der schwerste Quader sogar 425 t (im Totentempel der „Chephren-Pyramide“)!

Wenn während der gesamten Regierungszeit des Cheops (max. 25 Jahre) 365 Tage pro Jahr und 12 Stunden täglich Steine aufeinandergeschichtet worden wären, würde dies bedeuten, daß pro Stunde mindestens 10 Steine hätten positioniert werden müssen, also alle 6 Minuten ein Stein. Aber diese Rechnung ist irreal, da auch die Ägyptologie einräumt, daß die Errichtung des Aufweges, d. h. der „Zubringerstraße“, und die Planierung der Pyramidengrundfläche etwa zehn Jahre in Anspruch genommen haben. Die „Cheops-Pyramide“ steht praktisch absolut eben. Die größte Abweichung von der perfekten Ebene beträgt auf der einen Seite (bei einer Seitenlänge von 230 m) nur 16 mm! Das ist eine Abweichung im Bereich von wenigen Tausendstelprozenten, was auch die Präzision von modernen Bauten um das Tausendfache übertrifft, denn hier gelten 1–2 % als Toleranzgrenze.

Bei fünfzehn Jahren Nonstop-Bauarbeit ergibt dies bei der „Cheops-Pyramide“ 35 Steine pro Stunde, also alle 100 Sekunden ein Stein von durchschnittlich 2,5 t! Diese Annahme ist für jeden praktisch denkenden Ingenieur und Architekten rundweg absurd.

Wie nur schon diese eine Aufgabe in der gegebenen Zeit mit den damals vorhandenen Werkzeugen (Kupfermeißel und Steinhammer) bewältigt worden sein soll, ist nicht geklärt. Es gibt verschiedene Theorien, die allesamt den Bau von Rampen beinhalten. Sie klingen jedoch nicht sehr überzeugend, denn wenn zusätzlich zur Pyramide noch Rampen der entsprechenden Höhe für Schwertransporte gebaut worden wären, hätte dies den erforderlichen Bauaufwand enorm erhöht, weshalb die obige Steinrechnung noch gedrängter (und absurder) wird.

(Hier sei nur noch einer von vielen anderen Fakten angeführt: Die „Cheops-Pyramide“ steht auf dem 30. nördlichen Breitengrad. „Zufall“, sagt die Ägyptologie und weist darauf hin, daß die Pyramide eigentlich nur 29° 58’ 51” nördlich liegt. Aber diese Abweichung ist sehr gering und könnte durchaus konkrete Gründe gehabt haben, wie wir auf S. 106 erwähnen. Läge nur dieser eine Fakt vor, könnte man vielleicht noch von Zufall sprechen. Aber es gibt noch viele andere erstaunliche Faktoren. Wenn die Erbauer also wußten, wo der 30. Breitengrad liegt, mußten sie offensichtlich auch wissen, daß die Erde eine Kugel ist, und sie mußten die Erde vermessen haben – was angesichts der vielen in der Pyramide eingearbeiteten geodätischen und geometrischen Zahlenverhältnisse eigentlich nicht zu leugnen ist. Womit die Pharaonen einmal mehr als Bauherren ausgeschlossen sind.)

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Kritikpunkt 6

„Vielmehr sollen es mythische Nefer und Shemsu Hor gewesen sein, die hier zugange waren, Schöpfer einer ägyptischen Megalithkultur, für deren Existenz die Autoren zahllose Hinweise gefunden haben wollen (wobei diese angeblichen Hinweise aber auch eindeutig dem alten Reich zuzuordnen sind, von den Autoren vielmehr gezielt fehlinterpretiert werden).“


Eine oft übersehene Tatsache ist, daß die Pharaonen Cheops, Chephren und Mykerinos nirgendwo von sich behaupten, sie hätten die Pyramiden gebaut! Auch in den Pharaonenlisten, auf denen ihre Namen aufgeführt sind, werden sie nirgendwo als Erbauer der Pyramiden bezeichnet. Es ist die moderne Ägyptologie, die aufgrund ihres Weltbildes diese drei Pyramiden sowie die Sphinx, den Taltempel und die „Totentempel“ allesamt diesen drei Pharaonen zuschreiben – obwohl es allein von der Zeitspanne her unmöglich ist, daß sie diese drei Weltwunderpyramiden gebaut haben, ganz zu schweigen von den anderen Megalith-Bauten (Taltempel, Totentempel, die langen Aufwege).

Was sagen die alten Ägypter selbst über diese Bauten? Interessanterweise sagen sie
nichts! Sie schweigen über diese inschriftenlosen megalithischen Bauwerke, wohingegen alle pharaonischen Bauwerke ausnahmslos Inschriften aufweisen, meistens mit der eindeutigen Nennung des Bauherrn. Es gibt kein einziges Pharao-Grab ohne Inschriften und ohne Nennung des beigesetzten Pharaos. Nur die Pyramiden sollen hier Ausnahmen sein! In ihnen wurden jedoch nie irgendwelche Pharao-Mumien gefunden. Bei einer objektiven Betrachtung zeigt sich also, daß es höchst fraglich ist, ob diese Bauwerke überhaupt jemals Grabmäler waren.

Die Ägypter schwiegen während der gesamten pharaonischen Zeit von mehr als zweitausend Jahren über die Pyramiden und die anderen Megalith-Anlagen. Wir wissen nicht, warum. Nur in einer historischen Schrift des Diodor (1. Jh. v. Chr.) finden wir einen Hinweis: Die Priester mußten über die Bauwerke der Vorzeit, die von den Nefer, den „Gottmenschen der Vorzeit“, und den Shemsu Hor, den „Horus-Königen“, erbaut worden waren, Schweigen.

Wenn die Ägypter also über bestimmte Bauwerke schweigen, kann man daraus schließen, daß sie diese Bauten nicht den Pharaonen, sondern den Nefer und den Shemsu Hor zuschrieben. Dies muß auch schon zur Zeit der Vierten Dynastie der Fall gewesen sein, was bedeutet, daß die besagten „anonymen“ Megalith-Bauwerke bereits damals standen und als sehr alt galten. Denn aus der Zeit der Vierten Dynastie gibt es nicht den geringsten Hinweis auf den Bau der großen Pyramiden. Wären die Pyramiden tatsächlich damals gebaut worden, hätten das gesamte Ägypten und alle umliegenden Länder während rund achtzig Jahren gänzlich im Zeichen des Baus dieser Megalith-Anlagen gestanden (z. B. immense Holzimporte aus dem Libanon und aus Nordmesopotamien).

Aber wie gesagt: Wir finden nirgendwo einen Hinweis auf eine solch gewaltige Bauaktivität während der Zeit der Vierten Dynastie. Was der Rezensent hier mit einer einzigen Handbewegung als „mythisch“ vom Tisch fegt, ist nichts Geringeres als die Erklärung, die die alten Ägypter selbst geben!

Die Zuordnung der inschriftenlosen Megalith-Bauten von Giza in die Vierte Dynastie ist also keineswegs „eindeutig“, sondern nur hypothetisch, da keine wissenschaftlich haltbaren Beweise vorliegen.

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Kritikpunkt 7

Die Autoren seien in Unkenntnis darüber, daß der qualitative Bauunterschied zwischen den Giza-Pyramiden und den anderen Pyramiden leicht zu erklären sei, insbesondere mit dem Wandel in der damaligen wirtschaftlichen Situation und mit dem Wandel in den religiösen Vorstellungen. Der Bau einer Pyramide im Giza-Stil mit einem Kern aus Kalksteinblöcken und einer Außenschicht aus großen Granit- und Tura-Kalksteinblöcken sei sehr teuer gewesen, weshalb es sich spätere Pharaonen nicht mehr hätten leisten können, derartige Monumentalbauten zu errichten. Sie hätten deshalb auf eine Bauweise mit kleineren Steinen bzw. Lehmziegeln zurückgegriffen. Und: „Solche Pyramiden wurden wesentlich schneller errichtet, was zudem Gewähr bot, dass das Grabmal noch vor dem Tod des Herrschers fertiggestellt war.“


Der letzte Satz weist ungewollt auf einen sehr wichtigen Umstand hin, nämlich: Alle großen Pyramiden von Giza wurden fertiggestellt, und zwar mit einem Aufwand an Perfektion, der in keiner Weise Gewähr leistete, daß diese Bauten innerhalb der Lebensspanne des jeweiligen Pharaos fertig gestellt werden konnte. Dies war jedoch sehr wichtig, da jeder Pharao nach Amtsantritt sogleich mit dem Bau der eigenen Grabanlage begann und nicht mehr Zeit aufwenden konnte, die seines Vorgängers zu beenden. Die Tatsache, daß alle drei Pyramiden bis zur fugenlosen Außenschicht (inkl. jeweils ein Totentempel und Taltempel mit Aufweg) vollständig fertiggestellt wurden, spricht gegen eine Urheberschaft durch die Pharaonen, deren Lebenszeit beim Amtsantritt ja nicht absehbar war. Wie hätten die Architekten also wissen können, daß ihnen überhaupt fünfundzwanzig Jahre zur Verfügung standen und mit welchem Rekordtempo sie ans Werk gehen mußten?

Das Argument mit dem Wandel in der wirtschaftlichen und religiösen Situation ist eine weitere Hypothese, die nicht zwingend ist, denn Ägypten war zur Zeit der Vierten Dynastie noch kein Großreich. Die Blütezeit mit der größten Ausdehnung und dem größten Reichtum kam erst rund eintausend Jahre später unter den Thutmosis-, Amenophis- und Ramses-Pharaonen. Wenn also die Pharaonen der Vierten Dynastie, denen weniger Reichtum und eine um eintausend Jahre primitivere Wissenschaft zur Verfügung stand, bereits derartige Mega-Bauwerke errichten konnten, dann hätten auch die viel reicheren Pharaonen der späteren Zeit dazu in der Lage sein müssen, zumal sie auch noch auf eintausend Jahre Fortschritt zurückgreifen konnten, der ihnen z. B. als Neuentdeckung Eisenwerkzeuge beschert hatte.

Die genannte Hypothese mit dem wirtschaftlichen und religiösen Wandel geht an den eigentlichen Fragen vorbei, insbesondere an der offensichtlichen Frage: Wie konnten die Arbeiter um 2500 v. Chr., als es nur Kupferwerkzeuge gab, die vielen Millionen Steine allesamt in dieser perfekten Form zuhauen, befördern (die Tura-Kalksteinblöcke über den Nil, die Granitblöcke aus Assuan) und in einem absurden Rekordtempo aufeinandertürmen, verbunden mit dem statisch und geometrisch genial konstruierten Innenleben der Pyramiden (Gänge, Kragengalerien, Kammern mit perfekter Ausrichtung, enge Schächte quer durch die Gesteinslagen, usw.)?

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Kritikpunkt 8

Die Autoren hätten „auch ganz bewusst“ jene Pyramiden nicht erwähnt, die zeitlich vor den Giza-Pyramiden errichtet worden seien, insbesondere die drei Pyramiden des Pharao Snofru in Dahschur. Diese würden nämlich zeigen, wie mit verschiedenen Anläufen die perfekte Pyramide erstellt werden konnte, wobei die Rote Pyramide von Dahschur sogar ein größeres Bauvolumen als die Cheops-Pyramide aufweise. Die Perfektion der Giza-Pyramiden stehe also nicht isoliert da, sondern lasse sich in eine architektonische Evolution einordnen.


Ich bin nicht auf die Pyramiden von Dahschur eingegangen, weil dies den Rahmen des Buches gesprengt hätte. Tatsache ist, daß auch diese Pyramiden inschriftenlos sind und bautechnische Meisterleistungen darstellen, insbesondere die Rote Pyramide. Ebenso wie Cheops, Chephren und Mykerinos behauptet auch Pharao Snofru, übrigens der Vater von Cheops, nirgendwo, er habe diese drei Pyramiden gebaut. Man hat zwar einige Inschriften mit Snofrus Namen gefunden, aber diese fanden sich alle (bis auf eine Ausnahme) außerhalb der Pyramiden. Diese vereinzelten Inschriften sagen logischerweise noch nichts über die Erbauer jener Pyramiden aus. Sie sagen nur, daß Snofru in Dahschur eine gewisse Bautätigkeit entfaltet hat und vielleicht auch einmal in eine der inschriftenlosen Pyramiden vordrang und dort ein kleines Königsgraffito hinterließ (im Stil von „Ich, König Snofru, war hier“).

Daß möglicherweise eine gewisse Evolution des Pyramidenbaus von Dahschur nach Giza stattgefunden hat, ist nicht auszuschließen, aber dieser (ebenfalls hypothetische) Zusammenhang sagt noch nichts über die Erbauer und die Bauzeit aus. Es könnte aber auch sein, daß hier einfach verschiedene Pyramidentypen vorhanden sind, die unterschiedlichen Zwecken dienten. Daß diese Pyramiden Grabmäler waren, ist nicht erwiesen.

Einige Autoren haben bereits auf diese offenen Fragen hinsichtlich der Dahschur-Pyramiden hingewiesen. Im Jahr 2005 veröffentlichte der deutsche Ingenieur und Mathematiker Axel Klitzke
Pyramiden: Wissensträger aus Stein, in dem er unter anderem auch die Rote Pyramide bautechnisch und geometrisch analysiert, was zu erstaunlichen, bisher unbekannten Erkenntnissen führte.

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Kritikpunkt 9

Haltlos sei auch die Behauptung, die Errichtung der großen Pyramiden sei zur Zeit der Vierten Dynastie nicht möglich gewesen. Es sei durchaus möglich gewesen, mit zwanzigtausend Arbeitern die Pyramiden innerhalb der Lebenszeit der jeweiligen Pharaonen zu bauen. In der Nähe der Cheops-Pyramide seien Reste von Arbeitersiedlungen aus der Vierten Dynastie entdeckt worden, die klar zeigen würden, daß die Pyramiden in dieser Zeit gebaut worden seien. Diese Tatsache werde jedoch von den Autoren nicht erwähnt, da sie nicht zu ihren Theorien passe.


Uns ist selbstverständlich bekannt, daß im Umfeld der Pyramiden viele Gräber, auch Arbeitergräber, und Reste von Arbeitersiedlungen gefunden worden sind. Doch die Behauptung, die dort angesiedelten bzw. beigesetzten Arbeiter seien die Erbauer der großen Pyramiden gewesen, ist eine unbewiesene und nicht sehr plausible Hypothese, weshalb diese Gräber für die Pyramidenfrage nichts Konkretes hergeben. Viel wahrscheinlicher ist, daß diese Arbeiter beim Bau der kleinen Nebenpyramiden eingesetzt worden sind, die ebenfalls in die Zeit der Vierten Dynastie eingeordnet werden – was angesichts der einfacheren Bauart und Bautechnik eine sehr plausible Annahme ist. Aber nur weil die kleinen Nebenpyramiden in dieser Zeit erbaut worden sind, heißt das noch lange nicht, daß auch die großen Pyramiden von denselben Arbeitern errichtet worden sind.

Wie bereits erwähnt: Es gibt keinerlei Hinweise aus der Zeit der Vierten Dynastie, die nahelegen, daß damals während rund achtzig Jahren eine derart gewaltige, ununterbrochene Bautätigkeit durchgeführt wurde, wie sie zum Bau der großen Pyramiden erforderlich gewesen wäre. Eine solche Bautätigkeit hätte auch die umliegenden Länder involviert, was gezwungenermaßen irgendwo zu einer Erwähnung geführt hätte. Doch dies ist nicht der Fall. Wenn auf dem sog. Palermostein, der aus der Zeit der Fünften Dynastie stammt, gesteigerte Holzimporte aus dem Libanon während der Zeit der Vierten Dynastie erwähnt werden, ist dies noch lange kein Hinweis auf einen Pyramidenbau. Im Gegenteil: Wenn der Chronist die Holzimporte erwähnt, hätte er bestimmt auch den glorreichen Bau der Pyramiden erwähnt. Aber der Chronist aus der Fünften Dynastie weiß nichts von einem Pyramidenbau in der Vierten Dynastie! Die Holzmengen hätten sowieso nicht für den Transport der Steinmengen der großen Pyramiden gereicht, sondern höchstens für den Bau der kleinen Nebenpyramiden – für den sie wahrscheinlich auch bestimmt waren.

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Kritikpunkt 10

Die Autoren seien auch in Unkenntnis darüber, wie der Sarkophag in der Königskammer der Cheops-Pyramide hergestellt worden sei, was zeige, daß sie nicht einmal richtig recherchiert hätten, denn diese Frage sei mittlerweile beantwortet worden, nämlich von Denys A. Stocks in seinem Buch „Experiments in Egyptian Archaeology: Stoneworking Technology in Ancient Egypt“ (Routledge 2003). Es sei völlig geklärt, wie dieser Sarkophag damals mit Kupferwerkzeugen aus einem einzigen Stück Hartgestein (Rosengranit) herausgearbeitet worden sei.


Ich habe das Buch von Denys A. Stocks tatsächlich nicht konsultiert, denn ich kenne die dort vorgebrachte Theorie aus entsprechenden Fachartikeln, nicht zuletzt auch aus einem Artikel von Klaus Richter selbst: „Kupfer als Werkstoff im Alten Reich“, veröffentlicht in
Sokar (Nr. 6, 1. Halbjahr 2003).

Der sogenannte „Sarkophag“ besteht aus Rosengranit, vereint in sich eine ausgebildete Mathematik (z. B. entspricht der Innenraum genau der Hälfte des Gesamtvolumens) und ist auf allen Seiten perfekt eben und glanzpoliert. Ursprünglich hatte dieser „Sarkophag“ auch einen Deckel, der praktisch fugenlos auf den Unterteil paßte und daher von den arabischen Entdeckern nur mit Gewalt entfernt werden konnte, wobei nicht nur der Deckel, sondern auch eine Ecke des Unterteils zerstört wurde.

Wenn es nur dieses eine Objekt gäbe, dann könnte man vielleicht noch annehmen, daß hier Steinhauer mit Kupfermeißeln in der Vierten Dynastie diese aufwendige Leistung vollbrachten, wobei die Innen- und Außenflächen durch Reiben mit Sand glattpoliert worden sein müßten! Aber wir finden diese Bearbeitung von Granit, einem der härtesten Gesteine, überall in Giza in Perfektion! Es gibt keinen einzigen Granitblock, der nicht linealgerade zugeschnitten und fugenlos eingefügt wäre! Vielleicht kennen wir eine seltene Ausnahme nicht, doch diese würde nur die Regel bestätigen. Soweit wir wissen, finden wir diese maschinell anmutende Perfektion bei jedem Granitblock von Giza. Eindrücklich ist z. B. das Foto, das wir im Buch auf S. 124 veröffentlichen: Diese drei übriggebliebenen Verkleidungsblöcke aus Rosengranit (jeder ca. 35 t schwer) weisen eine perfekt ebene und glatte Oberfläche und eine serienmäßig anmutende Gleichheit auf. Wir verfügen über die Expertise eines Architekten, der mit Granit arbeitet und der uns bestätigt, daß die größten Granitschneidemaschinen, die es heute gibt, nicht in der Lage wären, Blöcke in dieser Größe und in dieser Perfektion zuzuschneiden, vor allem nicht mit der einen schrägwinkligen Seitenfläche. Doch genau das war bei allen Verkleidungssteinen der Fall, und hier sprechen wir von Tausenden!

Im oben erwähnten Artikel schreibt Klaus Richter: „Zur Zeit des Pyramidenbaus waren die altägyptischen Handwerker wahre Meister in der Fertigung von Kupferobjekten und der Benutzung von Kupferwerkzeugen. Das belegen heute zahlreiche eindrucksvolle Befunde, von denen der Sarkophag des Cheops in der Cheops-Pyramide nur einer ist.“

Diese Argumentation ist ein typischer Zirkelschluß. Er behauptet, der „Sarkophag“ sei von Handwerkern der Vierten Dynastie mit Kupferwerkzeugen und Sandreiben hergestellt worden (wofür es keinen Beweis gibt), und sagt dann, dieser „Sarkophag“ sei ein Beweis dafür, daß die Handwerker der Vierten Dynastie diesen Sarkophag hergestellt hätten, was wiederum beweise, daß sie in der Lage gewesen seien, Granit mit Kupferwerkzeugen auf diese perfekte Weise zu bearbeiten.

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Kritikpunkt 11

„Die Autoren rätseln auch darüber, wie denn der Sarkophag von außen her in die Königskammer gebracht wurde, da er doch größer als die Zubringergänge sei. Auch hier hätte ein wenig mehr Recherche das Problem gelöst: Der Sarkophag wurde in der Kammer installiert, bevor diese nach oben hin abgeschlossen wurde.“


Anscheinend hat Herr Richter übersehen, daß wir diese Erklärung im Buch auf S. 69 und nochmals deutlich im Absatz über die „Königskammer“ auf S. 116 erwähnen.

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Kritikpunkt 12

In den Entlastungskammern oberhalb der Königskammer in der Cheops-Pyramide finden sich Inschriften „aus der Zeit des Pyramidenbaus“; hier handle es sich um Arbeiterinschriften. Da diese Inschriften den Königsnamen „Chufu“ (Cheops) enthalten, sei dies der eindeutige Beweis dafür, daß Cheops auch der Erbauer dieser Pyramide gewesen sei. Dieser Beweis passe jedoch nicht in das Konzept der pseudowissenschaftlichen Autoren, weshalb die Behauptung entstanden sei, die besagten Inschriften seien vom Entdecker, Howard Vyse, selbst hingemalt worden, seien also eine Fälschung. Dies sei jedoch längst widerlegt, was auch Paganini und Risi anscheinend wissen, doch sie würden gerade deshalb die Tatsachen verdrehen, um ihre Theorie halten zu können; dabei gehe es ihnen nur um das eine Ziel: die „Irreführung der Leser“; die Autoren „versuchen mit hilflos anmutenden, völlig aus der Luft gegriffenen Behauptungen, die ‚Fälscherlegende‘ doch noch zu retten“.


Ich fasse hier zusammen, worin unsere „hilflos anmutenden Behauptungen“ bestehen:

Tatsache ist, daß im Umfeld der Großen Pyramide Mastaba-Gräber der Vierten Dynastie vorhanden sind und daß in ihnen an einigen Stellen echte Arbeiterinschriften aus dieser Zeit gefunden wurden, insbesondere vom italienischen Archäologen Giovanni Caviglia anfangs der 1830er Jahre. Diese Arbeiterinschriften zeigte Caviglia 1836 den neu angereisten Ausgräbern aus England (die Engländer hatten 1801 Napoleon besiegt und Ägypten erobert), dem Militäroberst Howard Vyse und John Perring. Diese beiden waren es dann, die sich im Jahr 1837 mit Sprengstoff Zugang zu den vier oberen Entlastungskammern in der „Cheops-Pyramide“ verschafften und verkündeten, sie hätten in diesen Kammern ähnliche Inschriften entdeckt, wie man sie kurz zuvor außerhalb der Pyramide in den Mastaba-Gräbern gefunden hatte.

Die insgesamt fünf Entlastungskammern sind niedrige Hohlräume oberhalb der Königskammer, die keinen Zugang haben. Im Jahr 1765 hatte der Engländer Nathaniel Davison die unterste Kammer entdeckt; dieser Hohlraum hatte jedoch keinerlei Inschriften enthalten. Interessanterweise enthielten nur die von Vyse und Perring entdeckten Hohlräume Inschriften.

Dabei muß man unterscheiden zwischen den Konstruktionshilfslinien und den hieroglyphischen „Arbeiterinschriften“. Erstere könnten durchaus aus der Zeit des Pyramidenbaus stammen, letztere jedoch sind umstritten, denn diese Zeichen sind ungelenk geschrieben und haben nichts mit der Konstruktion zu tun, sondern sind Inschriften mit den Pharao-Namen, wobei die Schreibweise der Hieroglyphen nachweisbar dem Wissensstand von 1837 entsprach. Perring selbst schreibt in seinem Bericht, daß die Farbe, mit denen die „entdeckten“ Inschriften aufgemalt sind, eine „Verbindung aus rotem Ocker“ sei, wie sie auch damals noch in Gebrauch war(!), und daß die Farbe derart „gut erhalten“ sei, daß „sich unmöglich erkennen lasse, ob sie (die Inschriften) gestern oder vor dreitausend Jahren entstanden sind“.

Es stellt sich also die Frage: Warum enthielten nur gerade die vier von Vyse und Perring entdeckten Kammern Inschriften? Warum nicht einmal die unterste Entlastungskammer, die Nathaniel Davison siebzig Jahre zuvor entdeckt hatte? Die offizielle Antwort lautet: weil die Arbeiter zufällig nur in den oberen vier Kammern Inschriften hinterließen! Vielleicht hätten die Arbeiter auch an anderen Stellen in der Pyramide Inschriften hinterlassen, doch diese seien nach Vollendung der Bauarbeit weggeputzt wurden, jedoch nicht in den Entlastungskammern, die ja zugangslose Hohlräume waren; da die Erbauer davon ausgingen, daß niemand jemals in diese Hohlräume vordringen würde, hätten sie sich dort die Putzarbeit gespart.

Wie logisch ist diese ägypto-logische Erklärung? Erstens hatten die Pyramidenbauer geplant, daß die gesamte Pyramide (und nicht bloß die Entlastungskammern) von niemandem mehr betreten würde, weshalb sie das gesamte Bauwerk mit Tausenden von zig-tonnenschweren Verkleidungssteinen fugenlos verschlossen, ebenfalls wie den aufsteigenden Gang im Inneren der Pyramide. Wenn das Fehlen von Inschriften außerhalb der vier von Vyse und Perring entdeckten Kammern darauf zurückzuführen wäre, daß die Erbauer nach Vollendung der Arbeit alle Inschriften entfernten, dann hätten sie sich diese Putzarbeit in der gesamten Pyramide sparen können, da sie ja hermetisch abgeriegelt war und niemand mehr hineingehen konnte. Und wenn sie aus Arbeitsspargründen auf das Putzen in den oberen vier Kammern verzichteten, dann hätten sie wenigstens auch in diesen vier oberen Kammern auf die perfekte Granitbearbeitung verzichten können. Aber nein: Auch in diesen zugangslosen Kammern bestehen die trennenden Decken bzw. Böden aus jeweils neun Granitbalken, die rund 7 m lang sind und 40 bis 50 t wiegen. All diese Granitbalken sind auf der gesamten Länge ihrer Seiten linealgerade zugeschnitten und fugenlos aneinandergefügt. (Die ungelenk aufgemalten Inschriften kommen offensichtlich nicht an den Perfektionssinn der wahren Pyramidenbauer heran.)

Wenn sich jemand in einem zuganglosen und daher „zuschauerlosen“ Hohlraum die Putzarbeit spart, hätte er sich auch die sinnlose Perfektion in der Granitbearbeitung gespart, zumal die Zeit beschränkt war und nur Kupfermeißel zur Verfügung standen.

Übrigens behauptete Howard Vyse nur einige Monate nach der angeblichen Entdeckung der Chufu-Inschriften, es sei ihm gelungen, auch den Erbauer der dritten Pyramide zu identifizieren, nämlich Pharao Mykerinos, ägyptisch Menkew-Re. Howard Vyse bzw. sein Team verkündeten, sie hätten in der Mykerinos-Pyramide Reste einer Mumie und einen Holzsargdeckel mit der Inschrift Menkew-Re gefunden! Bald jedoch war es offensichtlich, daß die Reste der angeblichen Mumie aus der frühchristlichen Zeit stammten und der Sargdeckel nicht in die Zeit der Vierten Dynastie paßte. Beides war außerhalb der Pyramide gefunden worden und dann „irgendwie“ in die Pyramide an denselben Ort gelangt, wo Howard Vyses Männer den vermeintlichen Fund machten. Der Inschriften-Entdecker Howard Vyse hat bei den angeblichen Beweisen für die Mykerinos-Identifizierung also eine plumpe Fälschung oder zumindest eine Fehleinschätzung vollzogen.

Der Verdacht, daß der ehrgeizige britische Militäroberst Howard Vyse und John Perring in den damaligen wilden Zeiten die Inschriften selbst hingemalt haben, ist also sehr naheliegend. Keiner der besagten Verdachtmomente ist jemals entkräftet worden.

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Kritikpunkt 13

So wie die Autoren die „Fälscherlegende“ aufwärmen, würden sie noch zahlreiche andere Dinge aufgreifen und „zu Mysterien aufblasen“, um zusammen mit dem Mauerbau eine neue „pseudowissenschaftliche Verschwörungstheorie“ in die Welt zu setzen. Die Rezension gipfelt und endet in den Aussagen, Autoren wie Risi und Paganini hätten „eigentlich keine Berechtigung“, über Ägypten zu schreiben; um ihre Theorien zu vertreten, seien sie sogar bereit zu „lügen“.


Nach all den bisherigen Ausführungen und Klarstellungen ist hier kein Kommentar mehr erforderlich.

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Fazit

Kommen wir abschließend auf die Titelfrage zurück: Ist wirklich alles schon geklärt?

Betrachten wir nochmals die zentralen Fragen und Fakten:
• die Perfektion der Pyramiden und der verwandten Megalith-Bauten,
• die Anzahl der Steinblöcke (bei den drei Pyramiden plus Tempelanlagen an die sieben Millionen!),
• das Gewicht der Steinblöcke (bis zu 400 t und mehr),
• die maschinenhaft anmutende Zuschneidung der bis zu 80 t schweren Granitblöcke, Tausende an der Zahl,
• die Widersprüche mit der zur Verfügung stehenden Regentenzeit der angeblichen Erbauer,
• das Fehlen einer jeglichen diesbezüglichen Angabe aus der Zeit der Vierten Dynastie und aus der gesamten pharaonischen Zeit (aus der Zeit der Vierten Dynastie gibt es nicht den geringsten Hinweis darauf, daß damals während rund achtzig Jahren die drei großen Pyramiden erbaut worden sind; auch behauptet keiner der besagten Pharaos, sie hätten die Pyramiden erbaut),
• die Tatsache, daß die Pyramiden und die mit ihnen verbundenen Megalith-Bauten weder Hieroglyphen noch sonstige Inschriften aufweisen,
• der Mangel an Beweisen dafür, daß die Pyramiden, die Sphinx usw. in der Zeit der Vierten Dynastie erbaut worden sind.

Objektive Ägyptologen geben denn auch zu, daß in dieser Hinsicht eigentlich noch nichts definitiv geklärt ist. So schreibt z. B. Alberto Siliotti im Rückentext seines Buches „Ägyptische Pyramiden – Monumente für die Ewigkeit“ (2003, Vorwort von Zahi Hawass):

„Man kann immer noch nicht mit Sicherheit sagen, wie sie errichtet wurden. Die alten Ägypter haben keine Aufzeichnungen hinterlassen, die ihre Bautechniken dokumentieren. Trotz aller Forschungsarbeiten und Studien, die bisher durchgeführt wurden, liegt immer noch ein Schleier von Ungewißheit und Geheimnis über den Pyramiden.“

In Anbetracht dieser Tatsachen muß festgestellt werden, daß noch viele Fragen auf eine überzeugende Antwort warten und daß es sehr zweifelhaft ist, ob die großen Pyramiden Grabmäler waren und um 2500 v. Chr. von den Pharaonen erbaut worden sind.
– (A.R. 14. 4. 2005 / 22. 12. 2006)

Armin Risi (mit Rico Paganini):
Die Giza-Mauer und der Kampf um das Vermächtnis der alten Hochkulturen, Govinda-Verlag 2005, 240 S., mit vielen Graphiken und Fotos.

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