—Friedrich
Hölderlin (1801)
Die vergangenen Hochkulturen der Welt waren
ursprünglich eng miteinander verwandt. Diese
Feststellung erfährt heute von den
wiederentdeckten Sanskrit-Schriften
zusätzliche Bestätigung.
Am Beispiel der Menschheitsgeschichte
illustriert das epische Gedicht
Völkerwanderung
die
universalen Gesetzmäßigkeiten des Lebens, die
gemäß altindischer Lehre immer zyklisch
wirken, sowohl im individuellen Leben
(Reinkarnation) als auch in den Kreisläufen
der Menschheitsgeschichte bis hin zur
periodischen Erneuerung von Zivilisation,
Natur und Schöpfung.
In der gegenwärtigen Wendezeit, die auch von
den vedischen Schriften angekündigt wird, ist
Armin Risi der literarische Vorbote einer
neuen Kulturepoche. Er ist sowohl dem
östlichen Ursprung als auch seiner
abendländischen Heimat verbunden und bewegt
sich mit Wegkenntnis und Liebe in beiden
Hemisphären:
„Möge der Kreis sich schließen,
Den wir als Ahnen
verließen …“
Die
Jahreszeiten
Am Ende
Ist Anfang.
Wie Frühling nach Winter,
Der endet mit fegenden Stürmen.
Die Regenzeit wandert,
Doch immer herrscht anderswo Sommer.
So steht seit Anfang der Heimweg
Offen, der einzige Weg
Mit zahl-
Reichen Stufen,
Die höchsten erreichbar vom mittlern
Planetensystem.
Dies ist der Schauplatz der wechselnden
Zeiten,
Das Schlachtfeld der Seelen,
Wo größte, die hier nur erscheinen,
Gott und Geweihte,
Schützend die Fackel ergreifen,
Außen und innen,
Wie versprochen.
Wenn der goldene Frühling
Die Herzen erleuchtet,
Ruht der Sturm,
Und der gesammelte Geist
Sieht in letzter Geburt,
Vertieft in der Höhle des meerlosen Riffs,
Paramatma im Herzen,
Den Herrn des Polarsterns
In überatomischer Form:
Der Größte im Kleinsten
Mit vertrauter Begleitung,
Den Treuen,
Die erscheinen
Zu gegebener Zeit.
Ernte
Was in der Erde verborgen war, haben die
Menschen erneut ent-
Deckt und staunen selbst ob der Fülle der
üppigen Gaben.
Alle Poren des Bodens atmen befreit und
erleichtert.
Wieder schwingt sich aus ihnen der Kranz der
geschlossenen Reife.
Und das Geschöpf erkennt in der Schöpfung den
Schöpfer. Es lernt, in
Einheit den dreien zu dienen, als Teil des
vollkommenen Ganzen.
Nun, nach der Trennung vom Guten und
Schlechten zwischen des Jahres
Polen, bereu ich die Sünden, die mich vom
Ursprung absondern.
Meine Fehler, das Fehlende, folgen mir,
klaffen als Schulden,
Fordern Begleichung des Widerspruchs. Dann
erst fallen die Schluchten
In sich zusammen, und Welten verbinden sich
über dem Abgrund.
In der Reue spiegeln sich nüchtern die
Wünsche der Seele,
Die ich im Antrieb zur Tat wieder und wieder
vergaß.
Die Natur hat ihre Vollmacht geltend gemacht
als
Schatten des Höchsten, der ihrem Erblühen den
Vorgang gewährte
Über des Sandes verwahrloste Nacktheit,
welche nur Leiden-
Schaften brütete während des Sommers
entarteter Hitze.
Die abwartende Menschheit hat sich erneuert.
Aus träger
Ohnmacht erwacht, in zweiter Geburt, begriff
sie die Träume;
Denn wem stirbt, dem ist die Geburt gewiß –
und vergessen.
Die, die noch leben, gedenken der Freunde und
großen Geweihten
Früherer Zeiten, des Frühlings, die mutig
vertrauend den Acker
Pflügten, als Wegbereitung des goldnen,
versprochenen Erblühens,
Ohne selbst die Ernte zu wollen. Die Frucht
des Getreides
Ward nun gedroschen. Gemächlich essen die
Kühe die Schalen.
Aus der kaum gewendeten Erde wachsen nun
wieder
Freieste Pflanzen und beugen den Pflückern
sich schenkend entgegen.
Nach dem nächtlichen Regen grünt und gilbt
das Getreide,
Das man in Tagen des Herbstes mit Hilfe des
Windes sich aufteilt.
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